Gegen das Brown-Out

Ein neuer Arbeitsort, eine neue Herausforderung: Der Beginn einer Auslandsentsendung ist für viele „frisch gebackene“ Expats und Transferees oftmals ein Start in ein neues Leben oder zumindest in einen neuen Lebensabschnitt. Mit positiver Energie und vielen Erwartungen, viel Vorfreude und noch mehr Entdeckergeist bereiten sich die Mitarbeiter auf ihre Zeit im Ausland vor.

Ein neues Ziel, eine neue Herausforderung und auch neue Anforderungen. Mit ihnen folgt die Erkenntnis, dass das Leben am neuen Arbeitsort wenig gemein hat mit Hochglanzseiten in Reisemagazinen, wenig mit den ganzen Vorstellungen und Wünschen, die der Expat an seine Entsendung knüpfte, der Geist des Aufbruchs verflüchtigt sich. Nach den Wochen des Erkundens und Entdeckens folgt die Ernüchterung und die Euphorie verfliegt. Grund dafür sind oftmals organisatorische Überforderungen des Expats: das Kümmern um Alltagsdinge, das Fehlen der vertrauten Umgebung, der Familie und Freude. Die Fremde fordert ihren Tribut.

In Fachkreisen wird dieses Phänomen als „Brownout“ bezeichnet. Ein Begriff, der aus der Luftfahrt übernommen wurde, wenn Staub oder Sand die Sichtverhältnisse einschränken. Im Deutschen kann es auch mit der Redewendung übersetzt werden, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, dass man durch Organisation des Alltags und der Lebensroutine im Ausland seinen eigentlichen Job nicht mehr erledigen kann. Sei es dadurch, dass es Schwierigkeiten bei der Eröffnung eines Bankkontos gibt, sei es, dass der mitreisende Ehepartner sich um seine eignen Karrierechancen gebracht sieht oder sei es, dass der Container mit den eigenen Möbeln, Dinge des vertrauten Lebens, immer noch im Zoll festhängt. Es können ganz banale Dinge sein, die zu einem Brownout beim Expat führen können – mit durchaus weitreichenden Folgen, die sogar zum Abbruch der Auslandsentsendung führen können.

Der entsendete Mitarbeitende fühlt sich überfordert, allein gelassen und zerreibt sich, statt seine Arbeit zu erledigen. Es kommt zu Konflikten am neuen Arbeitsort und mit den Kolleginnen und Kollegen in der alten Heimat. Eine Spirale des Frusts beginnt. Dies mag einerseits an der mangelnden Vorbereitung auf die Auslandsentsendung liegen, andererseits nehmen viele entsendende Unternehmen an, dass ihre Fürsorgepflicht für den Expat mit dessen Abreise endet. Zwei, vielleicht drei Pflichtnachfragen per Email oder Telefon, dann bleibt der Transferee auf sich alleine gestellt. Hier ist jedoch der Arbeitgeber in der Pflicht – zu seinem eigenen Nutzen. Denn auch er möchte, dass sich der entsandte Mitarbeitende voll und ganz auf ihren Arbeitsauftrag konzentrieren kann.

Das erfolgreiche Management einer Mitarbeiterentsendung umfasst nicht nur sozialversicherungs- und steuerrechtliche Erledigungen, sondern konzentriert sich immer auch auf die entsandte Mitarbeiterin oder den zu entsendeten Mitarbeiter. Es ist wichtig, sich um Expats und Transferees zu kümmern, um deren in der Auslandsentsendung erworbenes Know-how im Unternehmen zu binden und nicht zu verlieren. Dieses Beziehungsmanagement kann an einen externen Dienstleister übertragen werden, der Erwartungen und Anforderungen zwischen Entsendenden und Entsandten vermitteln und gestalten kann.