Härteprämien bei Risiko-Entsendungen

In Zeiten der “Globalisierung 2.0“, in denen sich politische und ökologische Entwicklungen rasant beschleunigen, ist Anpassungsfähigkeit gefragt. Was noch vor zehn Jahren als – zu unterschiedlichen Graden – vergleichsweise sicheres Entsendungsziel in Afrika und Asien galt, ist heute oft mit mehr Risiken verbunden. Dies gilt offensichtlich für Regionen im politischen Umbruch und hoher Verwundbarkeit für terroristische Anschläge in Zentral- und Nordafrika, im Nahen Osten und Südasien, aber auch für politisch stabile Länder die sich mit aktuellen ökologische Problemen wie allgemeine Umweltverschmutzung und Smog (China) oder Belastungen in Folge von Naturkatastrophen (Japan) auseinandersetzen müssen.

Um Anreize für notwendige Transfers in diese Regionen zu schaffen muss selbstverständlich über Zulagen zum Kaufkraftausgleich hinausgedacht werden. Je nach den individuellen Umständen der Entsendung sollte es Ziel sein, den Mitarbeiter nicht nur nicht schlechter zu stellen als vor der Entsendung, sondern explizit und gezielt etwaige Unsicherheitsfaktoren durch eine Besserstellung als Härte- beziehungsweise Hardship-Prämie zumindest teilweise auszugleichen. Während dies im beschränkten Umfang für Entsendungsziele allgemein üblich ist, in denen die Lebensbedingungen und der Alltag ohnehin vergleichsweise schwieriger zu navigieren sind, sollten darüber hinaus hier auch besondere Risiko- und Härtefaktoren berücksichtigt werden.

Zur flexiblen Gestaltung empfiehlt es sich dabei, statt einer Erhöhung des Grundgehaltes diese Härteprämie tatsächlich als gesonderte Zulage auszugestalten. Hierdurch kann dann jederzeit die Prämie durch einfache Vereinbarung der Höhe nach angepasst werden, sei es, weil das Entsendungsland gewechselt wird, oder weil Entwicklungen vor Ort während der Entsendungen eine erhöhte Unsicherheit oder eine Verschärfung von schwierigen oder unangenehmen Faktoren bewirken.

Insbesondere in Deutschland, wo Sicherheit und Berechenbarkeit einen im internationalen Vergleich fast einmalig hohen Rang an Wichtigkeit einnehmen, sollten die Bedenken auch von ansonsten grundsätzlich mobilen und flexiblen Top-Talenten antizipiert werden. Insbesondere sollte dem erhöhten deutschen ökologischen Problembewusstsein Rechnung getragen werden.

Bei der Berechnung der Zusatzleistungen von Entsendungen nach Beijing zum Beispiel sollte daher über eine Gefahrenzulage hinsichtlich der Gesundheitsbelastungen durch den dort üblichen schweren Smog sowie zusätzliche, fortwährende ärztliche Untersuchungen und Wellnessurlaube nachgedacht werden.  

Nicht zuletzt sind solche Maßnahmen unter Umständen nicht nur aus Gesichtspunkten der Mitarbeiterbindung und des Erfolgs der Entsendung geboten, sondern schlicht als rechtliche Anforderung, die sich aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ergibt.

Martin Theobald